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Ein "Gerechter unter den Völkern"

  • 2017-08-20-Glaube-und-Heimat

Artikel in Glaube und Heimat: 27.08.2017


 
Reiß uns aus Angst und Pein und lass am Kreuz dich finden, du unser Heiland sein - diese Worte betete Werner Sylten mit seinen Mitgefangenen in den letzten Tagen vor seinem Abtransport aus dem Konzentrationslager Dachau.
Von Wolfgang Hesse

Vor 75 Jahren, am 12. August 1942,  wurde er von den Nazis nach  Schloss Hartheim bei'Linz verschleppt und dort ermordet. Heute findet sich sein Name unter den »Gerechten unter den Völkern« in Yad Vashem. Ehrungen findet der Pfarrer und Pädagoge in diesen Tagen in Berlin, Dachau und in Bad Köstritz. Besonders die Stadt an der Weißen Elster ist eng mit dem Leben und Wirken von Werner Sylten verbunden. In der Kirche St. Leonhard erinnerte kürzlich ein Gedenkgottesdienst an seine Bedeutung für Bad Köstritz und an seinen tiefen christlichen Glauben, der im Dienst an seine Mitmenschen sichtbar wurde. Werner Sylten, geboren am 9. August 1893, wuchs in Hergiswyl in der Schweiz auf. Sein Vater entstammte einer jüdischen Familie und konvertierte vor der Eheschließung zum evangelischen Glauben. Werner, das älteste von fünf Kindern, wurde im christlichen Glauben erzogen und hat sich nach dem Abitur für ein evangelisches Theologiestudium entschieden. Er interessierte sich zunehmend für christlich-soziale Aspekte und nahm im letzten Semester ein Zusatzstudium in Volkswirtschaft und Sozialpädagogik auf. Kirche und Sozialarbeit gehörten für ihn eng zusammen. Im Jahre 1925 übernahm der Theologe das »Thüringer Frauenasyl« in der Eleonorenstraße in Bad Köstritz. Der Einrichtung liegt eine Stiftung zugrunde, die 1896 vom Fürstenhaus Reuß jüngere Linie ins Leben gerufen wurde. Entsetzt von den katastrophalen Zuständen im Heim begann er, aus der gefängnisähnlichen Einrichtung ein menschenwürdiges Mädchenheim zu erschaffen. Stets geleitet vom tiefen christlichen Glauben war er beseelt von modernen pädagogischen Vorstellungen. Aus der ehemaligen »Dunkelkammer « erwuchs für die jungen Frauen eine Schule für ihr Leben. Die Jahre in Bad Köstritz waren für Werner Sylten die arbeitsreichste, prägendste, aber auch schönste Zeit seines Lebens. Mit Machtübernahme der Nazis widersetzte er sich der braunen Ideologie und der Gleichschaltung der Jugend. Schon bald wurde der »Halbarier « von NS-Stellen als Freund Israels denunziert. Seine Frau hielt die ständigen Anfeindungen nicht aus und nahm sich 1933 das Leben. Von der Thüringer Landeskirche im Stich gelassen, musste er 1935 unverzüglich seinen Arbeitsplatz in Bad Köstritz räumen. Seine Aktivitäten in der Bekennenden Kirche und die Unterstützung für verfolgte »nichtarische« Christen in Berlin führten 1941 zur Internierung im Konzentrationslager Dachau.

Der Vers aus 1. Timotheus 2: »Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« wurde zum Leitspruch im Leben von Werner Sylten, stets geprägt von der Liebe zu seinen Mitmenschen. Auf dem Gelände Eleonorenstraße 20 in Bad Köstritz betreibt der Verein Wendepunkt e.v. heute ein Jugendhilfezentrum. Minderjährige Flüchtlinge und verhaltensauffällige Jugendliche werden hier betreut. 75 Jahre nach seiner Ermordung trägt die Diakonische Förderstiftung jetzt den Namen Werner Sylten. Ihr Vorsitzender Michael Frankenstein hat sich dafür eingesetzt. »Wir versuchen das pädagogische Erbe im Sinne Werner Syltens weiterzuführen«, sagt er. Walter, jüngster Sohn Werner Syltens, erlebte die ersten fünf Jahre seines Lebens in Bad Köstritz. Für den 87-Jährigen war sein Vater immer ein trauriges, aber leuchtendes Vorbild, und er ist froh, dass dessen Lebenswerk endlich die notwendige Achtung und Anerkennung zuteil wird. Mit der kürzlich in Betrieb genommenen Internetseite der Förderstiftung habe die Stiftung jetzt auch ein Gesicht bekommen, betont Michael Frankenstein. Sie solle auch nachfolgenden Generationen helfen, Leben und Werk Werner Syltens nicht zu vergessen.

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Stiftungsschulplätze für das „Soziale Kompetenztraining“

Das Soziale Kompetenztraining ist eine individuelle Erziehungshilfe an der Schnittstelle zwischen stationärer Jugendhilfe und Schule und zielt auf die Reflektion und Veränderung von unangemessenem und inklusionshemmendem Sozialverhalten ab. Ziele des Sozialen Kompetenztrainings sind u.a. die Förderung von Selbstreflexion und Selbstkontrolle, sozialen Problemlösefertigkeiten und emotionaler Aufmerksamkeit. Dabei geht es sowohl um theoretische Inputs als auch um praktisches Lernen zur Verbesserung sozialen Verhaltens, um Erwerb sozialer Kompetenzen und um Grundregeln der sozialen Kommunikation.

Das Förderschulzentrum Wendepunkt Bad Köstritz setzt seit Jahren in Verbindung mit dem Jugendhilfezentrum Wendepunkt Bad Köstritz einen besonderen Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit auf den Bereich des Sozialen Lernens und den Erwerb sozialer Kompetenzen. Das Schulkonzept steht unter dem Motto „Fit für´s Leben“. Dafür ist das Soziale Kompetenztraining ein wesentlicher und zentraler Baustein. Mit theoretischen Inputs und erfahrungsbezogenen und handlungsorientierten Trainingseinheiten sowie deren Reflexion werden altersangemessen spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler gefördert und gefordert. Im Mittelpunkt stehen die Persönlichkeitsentwicklung eines jeden einzelnen Schülers, der respektvolle Umgang mit anderen und die Dynamik der Gruppe. Davon ausgehend geht es um Grundregeln für das miteinander Leben und Lernen als Voraussetzung für ein gelingendes Leben.

Damit entspricht das Soziale Kompetenztraining den gegenwärtigen Herausforderungen der stationären Jugendhilfe und den spezifischen Bedarfen von jungen Menschen mit umfassenden sonderpädagogischen Förderbedarfen. Die Kinder und Jugendlichen können auf diesem Wege neben den schulisch-fachlichen Bildungsinhalten die erforderlichen Erfahrungen und Kompetenzen im sozialen und emotionalen Miteinander erwerben und einüben.

 

 

Projekt „Grabpflege“ | Lesepatenschaft

Projekt „Grabpflege“

der Staatlichen Regelschule „Hans Settegast“ Bad Köstritz

Eingebettet in das Unterrichtsfach Natur und Technik ist der Lernbereich Grabpflege seit dem Schuljahr 2019/2020 Bestandteil des schulinternen Lehrplans. Eine Gruppe von Schülern widmet sich primär der Pflege von Gräbern auf dem Bad Köstritzer Friedhof. Hier liegen der Gründer und Namensgeber der Regelschule Hans Settegast, dessen Nachfolger Paul Wallbaum, Hildegard Sylten, die Frau des Namensgebers der Diakonischen Förderstiftung sowie 43 Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald begraben. Die Gräber sind Orte der Erinnerung und von größtem historischen Gewicht. Die Projektgruppe setzt sich zum Ziel, diese Orte zu erhalten und zu pflegen, so dass sie als würdige Stätten des Gedenkens auf dem Friedhof in Bad Köstritz erhalten bleiben.

 

 

Abenteuer Natur erleben | Stiftungsschulplätze

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